Mit 30 in den Wechseljahren: Was kann ich tun?

Okay wer hier jetzt auf dem Blog neu ist, hat nun vielleicht ein paar Fragezeichen offen. Ja, ich bin bereits mit 30 in die Wechseljahre gekommen. Grund dafür war meine Brustkrebsdiagnose Ende 2017 (hier mehr dazu), die mich eiskalt in die Wechseljahre katapultiert hatte. Den schlimmsten Teil der Brustkrebstherapie habe ich bereits hinter mir und den Kampf gegen den Brustkrebs auch besiegt. Doch in den Wechseljahren befinde ich mich immer noch. Zum einen, weil ich immer noch tagtäglich Anti-Hormone zu mir nehmen muss, die verhindern sollen, dass neue Tumorzellen wachsen können und zum anderen, weil ich mich Anfang dieses Jahres mit bereits 32 dazu entschieden habe meine Eierstöcke entfernen zu lassen.

Über meine Anti-Hormontherapie und wieso ich diese mache, erzähle ich in folgendem Blogartikel mehr.

Wieso ich mich für eine Ovarektomie und gegen meinen bzw. unseren Kinderwunsch entschieden habe, erfahrt ihr hier.

In diesem Artikel möchte ich aber auf die Nebenwirkungen durch die Wechseljahre, die mit der Anti-Hormontherapie und der Ovarektomie einhergehen, eingehen und praktische Tipps im Umgang damit geben.

Klassische Nebenwirkungen der Wechseljahre und was ich tun kann

Um euch aber erst einmal zu beruhigen: Die Nebenwirkungen waren bei mir in den ersten 2 Monaten der Hormonumstellung durch die Anti-Hormone verstärkt und haben dann mit der Zeit nach und nach wieder nachgelassen. Ich denke ein großer Vorteil bringt eine gesunde und ausgewogene Ernährung, denn mit vielen Nebenwirkungen habe ich aktuell gar nicht mehr zu tun. So ist die Zusammenfassung hier auch ein Mix zwischen meinen Erfahrungen und den Erfahrungen von anderen betroffenen Frauen, mit denen ich mich ausgetauscht habe. Ich habe z.B. keine Probleme mit Gewichtszunahme, unreiner Haut oder Leberbeschwerden und auch die starken Stimmungsschwankungen hatte ich nur zu Beginn der Hormonumstellung ganz extrem. Auch durch meine Ovarektomie habe ich keinerlei Einschränkungen, die hinzugekommen sind feststellen können. Dinge, die sich bei mir immer noch bemerkbar machen sind z.B. Hitzewallungen, Probleme mit den Knien und trockene Haut, die ich aber ganz gut im Griff habe. Am Ende ist jede Person aber individuell und jeder Körper reagiert anders. Mit diesem Blogbeitrag möchte ich ein paar Ideen und Hilfestellungen geben.

Hitzewallungen & Schweißausbrüche

Bei Hitzewallungen kann ich euch Salbeitee bzw. Salbei allgemein sehr empfehlen. Dieser kann nämlich die Schweißausbrüche mindern. Bei akuten Hitzewallungen bestenfalls 2-3 Tassen Salbeitee trinken. Ansonsten kann ich euch nur empfehlen allgemein genügend Wasser über den Tag verteilt zu trinken (mindestens 2-3 l pro Tag). Ansonsten können Akupunktur, Entspannungsübungen, ausreichend Bewegung sowie der Verzicht oder das Reduzieren von Kaffee, Alkohol und Stress helfen.

Zusätzlich können aber auch Basenbäder, Basenwickel oder basische Kniestrümpfe, Wechselduschen oder im Akutfall Thermalwasser-Sprays helfen.

Stimmungsschwankungen

Stimmungsschwankungen sind gerade zu Beginn der Hormonumstellung immer sehr eindeutig wahrzunehmen. Puh ich weiß noch wie anstrengend das war. Von himmelhoch jauchzend bis auf einmal zu tode betrübt. Selbst jetzt bin ich auf jeden Fall immer noch um einiges sensibler und schneller den Tränen nah denn je. Doch im groben und ganzen habe ich es im Griff. Stimmungsschwankungen können sehr oft auf eine unausgewogene und einseitige Ernährung zurückzuführen sein und auf ein Ungleichgewicht des Körpers aufmerksam machen. Wichtig sind z.B. komplexe Kohlenhydrate statt einfache Kohlenhydrate, Omega-3 Fettsäuren durch Fisch, Nüssen oder in Form von Omega-3 Öl und Lebensmittel mit L-Tryptophan wie z.B. in Fisch, Kartoffeln, Nüssen, Linsen oder Haferflocken. Und so habt ihr euch vielleicht alle schon mal gefragt, wieso Schokolade so gute Laune machen soll, oder? Genau das liegt an dem enthaltenen Tryptophan, der im Körper zu Serotonin umgebaut wird und unsere Stimmung aufhellen kann. Hier gilt je höher der Kakaoanteil, desto höher der Tryptophananteil 😉

Aber auch ein Mangel an Magnesium kann Stimmungsschwankungen sowie eine erhöhte Reizbarkeit auslösen. Lasst hier also gern einmal eure Blutwerte dahingehend überprüfen.

Knochen- und Gelenkbeschwerden

Allein durch meine Chemotherapie hat sich hier bei mir einiges zusammengebraut. Ich hatte vor allem starke Probleme mit Rücken- bzw. Nackenschmerzen sowie Knieschmerzen. Diese sind nun auch leider immer noch nicht komplett verschwunden, haben sich aber eindeutig gebessert. So gehe ich beispielsweise immer noch jährlich zur Knochendichtemessung und seit Umstellung meiner Ernährung sind die Werte gleichbleibend schlecht. So hatte ich direkt nach der Chemotherapie bereits erste Anzeichen einer Osteopenie, der Vorstufe von Osteoporose, die nun unverändert geblieben ist und sich ein Glück nicht verschlimmert hat. Was ich seither mache? Regelmäßige Bewegung, Einnahme von Vitamin D (pro Woche ca. 20.000 IE), genügend Calcium und Vitamin K über die Ernährung und Omega-3. Zusätzlich nehme ich Hyaluronsäure in flüssiger Form zu mir. Von anderen habe ich auch gehört, dass diese positive Ergebnisse mit Enzympräparaten verzeichnen konnten.

Probleme mit den Schleimhäuten

Dies kann sich auf die Schleimhäute im Mund, Magen-Darm-Kanal oder auch auf die Schleimhäute im Intimbereich beziehen. Von vielen habe ich gehört, dass sie auch hier positive Ergebnisse im Rahmen einer Enzymtherapie erzielt haben, da diese beispielsweise auch die Zellschutzfunktion der Schleimhäute unterstützen und auch Hyaluronsäure kann hier von Vorteil sein. Für die Mund-, aber auch Darmschleimhäute kann ich beispielsweise aber auch Kuren im Bereich Prä- und Probiotika empfehlen. Auch Eiswürfel mit Ananas, Kräutertees, Öl-Ziehen oder Mundspülungen mit Kamille sind sehr für die Mundflora zu empfehlen. Bei akuten Problemen im Magen-Darm-Bereich kann ich Heilerde und eine basische Ernährung generell sehr empfehlen. Und auch für die Schleimhäute im Intimbereich gibt es mittlerweile Direktpräparate mit Hyaluronsäure auf natürlicher Basis. Ansonsten sind Beckenübungen auch sehr zu empfehlen 😉

Trockene Haut

Auch hier kann ich gern noch einmal auf das Thema Hyaluronsäure verweisen 😉 Sei es über die innere, aber auch die äußere Anwendung. Ich bin hier z.B. auch bei meinen Pflegeprodukten auf Produkte, die Hyaluronsäure enthalten umgestiegen und setze zudem auf den Wirkstoff Aloe Vera, der meine Haut mit ordentlich Feuchtigkeit pflegt. Zudem ist genügend trinken das A und O. Im Bereich der Lebensmittel kann ich empfehlen vor allem Lebensmittel zu konsumieren, die reich an Omega-3, Vitamin A (Beta-Carotin), Vitamin B7 (Biotion) und Zink sind. Alles was dem Körper Wasser entzieht wie beispielsweise Alkohol, Kaffee, zu viel Salz und fettreiche Ernährung sollten eher reduziert werden.

Trockene Augen

Auch hier gelten ähnliche Spielregeln wie beim Thema trockene Haut. Ich gehe zudem zusätzlich halbjährlich zum Augenarzt, denn im Zusammenhang mit der Einnahme von Tamoxifen wurden eine Zunahme der Entwicklung von Grauem Star sowie Hornhaut- und Netzhautveränderungen beobachtet.

Schlafstörungen

Für Einschlafstörungen kann ich Atemübungen oder Meditationen vor dem Schlafengehen sehr empfehlen. Ansonsten kann auch ein Lavendelspray für das Kissen helfen. Die abendliche Einnahme von Magnesium kann euch zudem helfen Muskeln und Nerven zu entspannen, sodass ihr besser ein- und durchschlafen könnt.

Leberbeschwerden

Der Abbau von Medikamenten generell und so auch von Tamoxifen kann die Leber belasten. Zur Stärkung und Schutz der Leber können basische Kräuter wie Löwenzahn, Brennnessel, Fenchelsamen oder Pfefferminze helfen. Positiv auf die Leber machen sich auch Mariendistel, Artischocke und Kurkuma bemerkbar. Die Devise lautet hier doch aber immer in Maßen und nicht in Massen. Zu viel dieser Produkte können die Leber nämlich beispielsweise auch schnell wieder überfordern. So haben beispielsweise eine Messerspitze oder 1 TL Kurkuma bereits einen positiven Effekt auf die Leber und sind vollkommen ausreichend.

Gewichtszunahme & Stoffwechsel

Ich persönlich habe direkt nach Beginn der Anti-Hormontherapie meine Ernährung auf basenüberschüssg umgestellt und achte sehr streng auf eine gesunde und ausgewogene Ernährung (mehr dazu z.B. in meinen Seminaren 😉 ) sowie ausreichend Bewegung. Dies kommt mir sehr zugute, sodass mein Stoffwechsel einwandfreie Arbeit leistet und ich seit Beginn der Anti-Hormontherapie ein und dasselbe Gewicht besitze und glücklicherweise auch von Wassereinlagerungen verschont geblieben bin. Bezüglich Wassereinlagerungen kann ich Basenbäder, Basenpeeling, Basenwickel oder basische Kniestrümpfe sehr empfehlen. Um den Stoffwechsel anzukurbeln kann ich z.B. morgens Zitronenwasser, Wasser mit Apfelessig oder Ingwerwasser sehr empfehlen. Weitere Lebensmittel, die den Stoffwechsel anregen sind z.B. Grüner Tee, Chili, Äpfel, Spinat oder Mandeln.

Ansonsten kann auch die Kombination aus falschen Makronährstoffen ein Hinweis auf eine Gewichtszunahme sein.

Zusammenfassend kann man also sagen, dass eine gesunde und ausgewogene Ernährung mit Fokus auf pflanzliche Wirkstoffe, einen im Bereich der Wechseljahre sehr entgegenkommt. Zusätzlich sind ausreichend Bewegung, Entspannungsverfahren und Stressreduzierung von enormer Wichtigkeit. Meine 10 Ernährungserkenntnisse, während und nach der Krebstherapie, habe ich euch hier z.B. bereits zusammengefasst. Ansonsten bin ich ein großer Fan der basischen Ernährung und der richtigen Säure-Basen-Balance, so ernähre ich mich nun bereits seit über 2 Jahren basenüberschüssig und fahre sehr gut damit 🙂

Anti-Hormontherapie und Phytoöstrogene

Okay, erst einmal vorab „Was sind eigentlich Phytoöstrogene?“. Phytoöstrogene wie z.B. Isoflavone sind sekundäre Pflanzenstoffe, die strukturell dem menschlichen Hormon Östrogen ähneln und den Hormonhaushalt aktiv beeinflussen können. Dies kann für die eine Frau, die sich ganz natürlich in den Wechseljahren befinden von Vorteil sein, für eine Frau in einer Anti-Hormontherapie nach Krebsbehandlung ggf. aber fatal.

Und leider lässt sich hierzu aktuell noch keine eindeutige Handlungsempfehlung ableiten, da sich die Meinungen hier sehr teilen und die Studienlage hier aktuell leider noch sehr unklar ist. Laut Krebsinformationsdienst können Frauen allerdings ungefähr bis zu 80 mg Isoflavone pro Tag einnehmen, ohne dass es ihr Brustkrebsrisiko erhöht. Dass sehr hoch dosierte Phytoöstrogene in Rahmen der Ernährung auch das Krebsrisiko steigern können oder im Rahmen der Anti-Hormontherapie gefährlich sein könnten, lässt sich bisher nicht sicher ausschließen, denn dies wurde bisher noch nicht in Studien untersucht. Isst man gelegentlich einmal Soja-Produkte, gilt das selbst für Brustkrebspatientinnen sicher als unbedenklich. Doch in den hohen Maßen, in denen wir Sojaprodukte heute zu uns nehmen, könnte es schon einen gewissen Einfluss auf unseren Körper und unseren Hormonhaushalt nehmen. Dahingehend habe ich z.B. bereits viele persönliche Erfahrungsberichte gehört, die bestätigen, dass der Sojakonsum mit einem hohen Anteil an Phytoöstrogenen Einfluss auf den jeweiligen Hormonhaushalt hatte. Aus diesem Grund probiere ich persönlich Sojaprodukte weitestgehend zu vermeiden, da mein Tumor sehr stark hormonrezeptorpositiv war. Doch auch Hülsenfrüchte, Leinsamen und Co. können Phytoöstrogene enthalten. Hier ist der Gehalt an Phytoöstrogen allerdings so gering, dass wir solch große Mengen dieser Lebensmittel gar nicht zu uns nehmen können damit es einen Einfluss auf unseren Hormonhaushalt nimmt. Zudem haben diese Lebensmittel viele weitere positive Eigenschaften und eine sehr positive Nährstoffvielfalt und am Ende nimmt man ja z.B. nicht löffelweise Leinsamen oder Leinöl zu sich 😉 Das wird beim Soja leider schwieriger, denn gerade in immer mehr Fleisch- oder Proteinalternativen versteckt sich Soja. Sei es das Proteinmüsli, Tofu, Tempeh, die Sojamilch, der Sojajoghurt, die Misosuppe, der Salatkerne Mix oder Sojasprossen und Edamame, also Sojabohnen pur. An jeder Ecke hagelt es Sojaprodukte, die zudem immer mehr in Verruf, da diese zu immer größer werdenden Anteilen genmanipuliert sind.

Worauf während der Anti-Hormontherapie auch verzichtet werden sollten sind z.B. hormonausgleichende Substanzen wie Rotklee, Traubenkernextrakt, Granatapfel, Ginseng, Reishi, Yams-Wurzel oder Johanniskraut. (Dies sind die Wirkstoffe, die mir akut hierzu eingefallen sind, möchtet ihr diese Liste ergänzen, dann schreibt mir hier gern dazu ;-)). In den „natürlichen“ Wechseljahren oder auch bei PMS sind diese Produkte beispielsweise aber z.B. sehr zu empfehlen und können sich sehr positiv auf die Wechseljahresbeschwerden auswirken.

Ihr seht, am Ende ist dies alles wieder sehr individuell und viele Nebenwirkungen lassen sich in den Griff bekommen oder sie treten nur in der ersten Zeit der Behandlung stärker auf und lassen dann bestenfalls nach.

Ich hoffe, ich konnte euch mit diesem Beitrag helfen. Ich würde mich freuen, wenn ihr die Kommentarfunktion dafür nutzt, um vielleicht auch über eure Erfahrungswerte zu sprechen.

Alles Liebe

caro_signatur

PS: Ich habe mich in diesem Blogbeitrag bewusst dazu entschieden neutral zu berichten und keine Produktempfehlungen hervorzuheben. Seid ihr allerdings interessiert an Produktempfehlungen, schaut gern auf meinem Instagramkanal vorbei. Möchtet ihr mehr Input zum Thema Ernährungsumstellung erhalten, schaut gern bei meinen Seminaren vorbei.

3 Kommentare zu „Mit 30 in den Wechseljahren: Was kann ich tun?

  1. Liebe Caro, vielen Dank für diesen tollen und sehr informativen Beitrag! Ich nehme seit Ende Juli Tamoxifen und kann kaum Nebenwirkungen bezeichnen. Lediglich habe ich 1-2 leichte Hitzeschübe spät am Abend. An Gewicht habe ich sogar ein wenig abgenommen…ich mache seitdem aber auch sehr viel Sport und ernähre mich nich gesünder als vorher… ich habe viele Ernährungstips von Dir in meinem Alltag integriert und mir geht es richtig gut damit. Liebe Grüße Tanja

  2. Vielen Dank für diesen tollen Artikel! Ich habe heute meine erste Antihormon-Spritze bekommen und fühle mich noch etwas überfordert mit der Situation. Da hilft es sehr deine Tipps und Tricks zu lesen. Jetzt weiß ich was ich aktiv tun kann, um meinem Körper etwas gutes zu tun, um Nebenwirkungen vorzubeugen oder abzuschwächen. Das macht Hoffnung!

Ich freue mich über deine Meinung zum Thema!

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