Und was ist wenn ich ein eigenes Kind haben möchte?

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Eines möchte ich hier erst einmal vorweg nehmen. Nein, ich möchte nicht jetzt sofort ein Kind. Aber gewiss möchte ich irgendwann ein Kind und meine eigene süße kleine Familie haben. Aber was ist, wenn ich diese vielleicht niemals haben werde? Ein Gedanke der mich die letzten Wochen immer mehr plagt und ein Gedanke mit dem man mit Anfang 30 immer wieder neu konfrontiert wird. Die innere Uhr tickt und schon vor meiner Krebserkrankung durfte ich mir oft Fragen wie „Wann heiratet ihr? und „Wollt ihr bald Kinder bekommen?“ anhören. Damals mit 29 war das irgendwie noch etwas weiter weg, aber nun mit 31 rückt man an solche Themen dann doch immer näher ran. Allein im Freundeskreis hat sich hier einiges geändert. Waren es früher noch Themen wie die letzte Party, die letzte Shoppingausbeute, das letzte Date oder das aktuelle Studium, sind es jetzt auf einmal ganz andere Themen mit denen sich die Freundinnen beschäftigen. Auf den Mädelsabenden wird sich über Schwangerschaften ausgetauscht, über Babyprodukte oder Babyklamotten, darüber wer jetzt auch schwanger ist oder gerade heiratet hat oder es werden sich Backrezepte ausgetauscht. Aus den ausgiebigen Partynächten von früher werden auf einmal Baby Shower Partys, Brunch Dates oder Tea Times. Leute, wo ist auf einmal die Zeit geblieben? Ich möchte mich ja nicht beschweren und finde es auch schön, dass wir alle erwachsener und reifer geworden sind…

Währenddessen sich allerdings meine Freundinnen über den neusten „Schwangerschafts-Gossip“ austauschen und sich eine nach der nächsten Freundin als schwanger outet, sitze ich hier und frage mich ob ich da überhaupt mithalten und überhaupt irgendwann mitreden kann? Auf einmal fällt es einen schwer Anschluss zu finden und man hat Angst nicht mitreden zu können und sich von seinen Freundinnen zu entfernen. Indessen sich meine Freundinnen über Schwangerschaftsgelüste oder Babyklamotten unterhalten, sitze ich nämlich da, mein Kopf schaltet ab und ich mache mir Sorgen über die nächsten Nachsorgeuntersuchungen oder darüber ob ich denn überhaupt irgendwann Kinder haben werde? Liebe Mädels, nehmt es mir nicht böse, dass ich mich vielleicht zurückziehe oder nicht so freuen kann, wie ihr es vielleicht erwartet habt. Ich freue mich für jede einzelne meiner Freundin, die schwanger ist und ich möchte auch ganz klar ein Teil dieses Lebensabschnitts sein und die kleinen Racker mit aufwachsen sehen. Nur aktuell fällt mir dieses Thema einfach schwer und geht mir sehr nah. Auch ich möchte irgendwann ein Kind haben. Nicht jetzt! Aber irgendwann! Aber ich bin mir nicht mehr sicher ob es dieses irgendwann überhaupt geben wird? Meine eigene kleine Familie. Mein kleiner süßer Mini-Georg, den ich mir so sehr wünschen würde. Der ist ganz ganz fern und das tut weh. Durch die Chemo-Therapie ist meine Fruchtbarkeit nämlich rapide eingeschränkt worden und um die Eizellen einfrieren zu lassen war zum einen keine Zeit mehr und zum anderen wäre es zu riskant gewesen, da ich dadurch die Hormone in meinem Körper ja erst einmal hätte stimulieren müssen. Mein Zyklus existiert seit Beginn der Chemo-Therapie und damit seit über einem Jahr nicht mehr und durch meine aktuelle Anti-Hormontherapie mit Tamoxifen und der regelmäßigen Zoladex-Spritze pausieren Ovarien wie Eierstöcke und Gebärmutter selbst jetzt noch. Die Therapie geht mindestens 5 Jahre, neue Studien zeigen jedoch auch auf die Therapie auf weitere 5 Jahre zu verlängern um das Rückfallrisiko zu senken. Dann bin ich 40! Und spätestens dann ist der Zug Kinder zu bekommen wohl abgefahren (falls meine Ovarien dann überhaupt noch funktionsfähig sind) und auch die Chance einer erfolgreichen Adoption gehen dann so langsam auf Null. Währenddessen sich meine Mädels also über den neusten Baby-Gossip unterhalten, schwirren Gedanken in meinem Kopf wie „Kann ich überhaupt noch Kinder bekommen?“, „Wäre eine Pause der Anti-Hormontherapie überhaupt möglich bzw. ratsam?“, „Sollte ich mir auf Grund des BRCA1-Gens, des zu 100% hormonrezeptor-postiven Brustkrebs und der Anti-Hormontherapie nicht gleich auch die Eierstöcke und Gebärmutter entfernen lassen?“ und „Bis wann darf man überhaupt ein Kind adoptieren?“. Fragen über Fragen mit denen ich mich nur ungern auseinandersetzen möchte, Fragen die ich mir irgendwann aber stellen muss. Und dann frage ich mich, hört das irgendwann auf oder wird mich der Krebs ein Leben lang begleiten?

12 Kommentare zu „Und was ist wenn ich ein eigenes Kind haben möchte?

  1. Sonst bin ich immer stille Mitleser gewesen, aber nun möchte ich Dir DANKE für diesen ehrlichen Beitrag sagen! Auch wenn mich das Thema Kinderwunsch nicht betrifft, so haben mich deine Worte doch sehr gerührt.
    Alles Gute für Euch-ich bin mit sicher, dass dich mit deiner positiven Lebenseinstellung alles fügen wird.
    Liebe Grüße

  2. Liebe Caro, alles kommt einmal wenn es kommen soll! Auch ihr werdet bestimmt die Möglichkeit dazu bekommen Eltern zu sein. Und es gibt doch mittlerweile schon einige Mütter 40+. Also warum nicht auch du!? Mit deiner positiven Lebenseinstellung und deiner Achtsamkeit was Ernährung etc angeht, wird es dir dein Körper bestimmt schon eher danken!

    Da hatte ich Grad gleich Tränen in den Augen! Auch wenn wir uns lange nicht gesehen haben, geht es mir sehr nah! Bleib so wie du bist!!!

    Ganz liebe Grüße, Anja

    1. Hallo liebe Anja,
      ja wenn das mal alles so einfach wäre.
      Wie ich ja bereits auf Instagram auch erwähnt habe ist das ja alles gar nicht sooo einfach. Die Anti-Hormone muss ich noch mindestens bis ich 35 bin einnehmen und mit 40 wird einem zur Entfernung der Eierstöcke geraten auf Grund des BRCA1-Gens. Aber schauen wir mal was die Zukunft bringt und wo mein Weg so hin führt 😉
      VG aus Hamburg
      Caro

  3. Liebe Caro,

    da ich selbst gerade meine Chemo hinter mich gebracht habe und auch einen starken Kinderwunsch habe, kann ich deine Gefühle total nachempfinden. Ich selbst sehe meine Freundinnen schwanger, teilweise schon mit dem zweiten Kind. Und ich bin mittlerweile 36. ich habe die Chance bekommen mein Eierstockgewebe einfrieren zu lassen, doch ob mir das weiterhelfen wird, das weiß ich nicht. Denn auch ich habe brca1 und liege gerade im KH nach meiner Mastektomie. Auch die Antihormontherapie ist vorerst für 5 Jahre geplant. Meine Ärztin meint, dass ich nach 2-3Jahren unterbrechen kann und es dann versuche mit der künstlichen Befruchtung. Wenn es klappt, würden dann direkt bei der Geburt die Eierstöcke entfernt.
    Ich kann dir nicht sagen, ob ich das Risiko eingehen kann oder möchte. Dazu werde ich mit meiner Ärztin nach dem pathologischen Befund sprechen. Wenn sie mir abrät, dann werde ich meinen Wunsch begraben müssen.
    Ich wünsche mir sehr ein Baby, eine kleine Familie und dein Text berührt mich sehr, doch eins steht auch fest…nicht um jeden Preis, auch wenn es schwer fällt.
    Ich glaube dennoch fest daran und wer weiß was die Forschung in ein Paar Jahren erreicht, dann gibt es vielleicht einen Weg für uns.
    Halte an deinem Wunsch fest, Du hast noch Zeit 🙏💛

    1. Hallo liebe Nadine,
      ja das alles ist ein wirklich komplexes Thema und eine wirklich schwere Entscheidung.
      Ich bin hier ja auch noch zu keinem finalem Entschluss gekommen und wer weiß wie weit die Medizin vllt schon wieder in ein paar Jahren ist. Lass uns die Daumen drücken 😉
      Ganz liebe Grüße
      Caro

  4. Hallo liebe Caro, Deine Gedanken zum Thema eigene Kinder zu bekommen sind sehr berührend. Ich weiß aus meinem engen Umfeld, dass es heute absolut möglich ist, auch mit über 40 Kinder zu bekommen. Eine Freundin von mir war ebenfalls an BK erkrankt, hat die gesamte Therapie durchlaufen (Chemo, Bestrahlung, AHT). Erfolgreich gegen Lebermetas angekämpft und ist dann mit 43! Mutter einer gesunden Tochter geworden. Wenn Leben kommen möchte, kommt es. <3

    1. Hallo liebe Saraya,
      vielen lieben Dank für die aufmunternden und mutmachenden Worte!
      Mir hat man zum Beispiel aber auf Grund meines BRCA-1 Gens dazu geraten mit spätestens 40 die Eierstöcke entfrnen zu lassen. Somit tickt die Uhr da dann leider doch etwas bei mir 😉
      Aber schauen wir mal was die Zukunft bringt <3
      Ganz liebe Grüße
      Caro

  5. Hey caro , absolut nachvollziehbar und klar das du dir Gedanken machst. Habe seit ich 20 Jahre alt bin einen ganz fiesen morbus crohn. Hab ganz viel Sch… Medikamente jahrelang konsumiert in der Hoffnung gesund zu werden. Hm ja das Gegenteil ist eingetroffen. Mit 28 war ich auf meinem Endpunkt. Hab alle Medikamente abgesetzt. Mich sehr extrem über Ernährung informiert. Einen Heilpraktiker aufgesucht der 260km entfernt war, auch einmal in der Schweiz bei einem sehr bekannten Arzt der mir ein Vermögen Gekostet hat. Fazit war nach 6 Monaten Medikamenten frei, zwar nicht ganz Symptom frei aber ich war frei von Angst und großen Schmerzen.
    Was mir noch schlimm in die Karten spielte , ich hatte keinen Menschen an meiner Seite der zu mir passte und rutschte von einem zu anderem (Idioten) und dachte auch ich werd nie Kinder bekommen. Und dann war er da , in dem Moment als ich schon abgeschlossen hatte 🤣 und dann ging alles seine Wege. Verdächtiger Abstrich Gebärmutterhals , zwar noch nicht tragisch aber man schluckte doch und hatte Angst und der Gedanke Kinderwunsch ploppte wieder auf … soll ich überhaupt ? Kann ich überhaupt usw und sofort. Habe mit meinem Partner darüber gesprochen und wir kamen zu dem Fazit worauf warten ? Los gehts. Was mir eventuell gut in die Karten spielte war eine Behandlung beim Heilpraktiker, hatte immer wieder Entgiftungsprobleme wegen der Pille die ich bis ich 26 war eingenommen habe und immer schlechte Haut und unregelmäßig Zyklus und hab Monate davor mit mönchspfeffer angefangen . Der ja angeblich gut helfen kann schwanger zu werden. Dann hatte ich zu meinem 29 Geburtstag einen positiven Schwangerschaftstest und meinen Traumpartner an meiner Seite. Nun ist unsere kleine Maus 13 Monate!!!
    Fühl dich gedrückt es kommt alles wie es kommen muss und zu seiner Zeit ❤️

    1. Hallo liebe Leli,

      ja am Ende läuft dann vielleicht doch wieder alles gut und genau so wie es soll!
      Und ein Fan von Naturheilverfahren bin ich ja auch eh 🙂
      Vielen Dank für deine tolle und ermutigende Geschichte <3

      Ganz liebe Grüße
      Caro

  6. Liebe Caro,

    dein Beitrag hat mich gerade zu Tränen gerührt.Ich finde es toll, dass du dieses Thema offen ansprichst. Ich habe schon oft festgestellt, dass viele in meinem Umfeld nicht verstehen, was es wirklich bedeutet in so jungen Jahren eine Chemotherapie durchzumachen und welche Probleme das mit sich zieht. Oft verstehen sie auch nicht warum man nicht in Freudentränen ausbricht, wenn sie verkünden, dass sie ein Baby erwarten.
    Ich bin selber BRCA-1 positiv und habe am Donnerstag meine letzte Chemo.
    Diese Gedanken kreisen seit Beginn der Therapie auch in meinem Kopf herum. Man selbst sitzt hier und bekämpft den Krebs und andere werden mit 30 schwanger und freuen sich auf ihr erstes Kind. Natürlich freut man sich für seine Freundinnen, aber mir wird auch jedes Mal unglaublich übel und ich frage mich ob ich irgendwann die Möglichkeit bekommen werde Mutter zu werden. Ich versuche dennoch fest daran zu glauben. Der Glaube versetzt manchmal Berge.

    Fühl dich gedrückt!

    1. Liebe Jacky,

      vielen lieben Dank für dein Kommentar! Und ja ich weiß genau was du meinst. Ein absolutes Gefühlchaos ist das! Aber ich glaube auch fest daran, dass es am Ende nachher alles gut geht.
      Mein Motto ist auch nicht umsonst „Everything will be okay in the end. If it’s not okay, it’s not the end“ 🙂

      Ganz liebe Grüße
      Caro

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