Abwarten und Tee trinken

„Keep my head above water. Don’t let me drown, it gets harder…“

– Avril Lavigne

Oktober Review

Avril Lavigne trifft es mit ihrem Song ganz gut. 1 Jahr Krebstherapie und es wird nicht einfacher. Die ganze Therapie zerrt an den Kräften, ob körperlich oder psychisch und hinterlässt ihre Spuren. Es ist erstaunlich was der Körper in so einem Jahr alles gewuppt und geleistet hat, aber es ist wohl auch vollkommen verständlich, dass das Energielevel auch zum Schluss mal wieder an seinem Tiefpunkt steht.

Nach der Chemos und den OPs hatte ich mich die letzten Monate wieder ganz gut aufgerappelt. Meine Fitness kam wieder zurück und ich musste nicht mehr bei jedem Treppen steigen schnaufen wie eine alte Frau, mein „altes“ Gesicht kam wieder zurück, meine Frisur wurde endlich wieder zu einer richtigen Frisur (erstaunlich was ich zwischenzeitlich dachte, was schon eine „Frisur“ wäre ;-)) und es ging bergaufwärts. Ich war also so was von ready für die Bestrahlung. Jetzt zum Ende der Bestrahlung merkte ich aber, dass so eine Bestrahlung dann doch nicht so ohne ist, wie ich gehofft hatte. Jeden Tag von Montag bis Freitag stattet man der Radiologie einen Besuch ab und selbst wenn die Bestrahlung an sich vielleicht nur für 10min dauert, für den Körper ist es dennoch eine ordentliche Prozedur und genau das merkt man nach den Sitzungen auch.

Waren die ersten Sitzungen noch entspannt und lediglich anstrengend, weil man in der Tat jeden Tag die Praxis besuchen musste, wurde es ab der 3. Woche dann doch anstrengender. Naja ich gehe ja schließlich auch nicht ins Solarium (schön wärs ;)), sondern zur Bestrahlung. Während der Bestrahlung werden die letzten vorhandenen Tumorzellen noch einmal erfolgreich zerstört und Stoffwechselprodukte werden freigesetzt und können die Zellfunktionen im Körper stören. Mal ganz davon abgesehen, dass die Bestrahlung also nicht nur für die Haut schädlich ist und für Verbrennungen sorgen kann, wird dort im Körper einfach mal einiges in Gange gesetzt und das ist echt anstrengend und schlaucht den Körper. Fatigue lässt also wieder grüßen! Und so probiere ich meist alle Erledigungen wie Einkaufen, Papierkram und Co., aber auch die schönen Sachen wie kleine Verabredungen mit Freundinnen meist direkt vor dem Bestrahlungstermin zu erledigen. Die letzten Wochen war ich nach der Bestrahlung nämlich echt ko und habe eingesehen, dass mein Körper wieder die Ruhe braucht und genau die habe ich dem Körper auch gegeben. Zumindest in dem Maße, welches möglich war. Wie einige nämlich sicher bereits über Instagram mitbekommen haben, hatte ich wieder diverse Auseinandersetzungen mit meinen Versicherungen. Die Deutsche Rentenversicherung hat nämlich einfach mal entschieden mich über Weihnachten in eine beliebige Vertragsklinik zu stecken. Was ich davon halte? Denen egal! Ich finde es allerdings schwierig, dass ein Sachbearbeiter bzw. eine Sachbearbeiterin bei der Rentenversicherung entscheiden kann was für MICH, obwohl sie mich und meine Geschichte gar nicht richtig kennen, am besten ist. Hier gab es erst einmal einige Diskussionen und einige Recherchen und so probiere ich nun meine Wunsch-Rehabilitationsmaßnahme, die mir rein rechtlich ja auch zusteht, durchzusetzen. Gern werde ich meine Erfahrungswerte hier auch noch einmal im Anschluss mit euch teilen. Mir ist es zumindest wichtig, dass ich nach erfolgreich überstandener Bestrahlung meinen Körper wieder schnell fit bekomme um relativ schnell wieder zurück in mein „normales“ Leben zu kommen! Am liebsten würde ich ja wieder sofort starten und zurück in den Job, aber dann muss ich mir doch wieder eingestehen, dass das letzte Jahr Spuren hinterlassen hat. So bin ich körperlich leider immer noch nicht wieder richtig fit und belastbar, habe Knochenbeschwerden wie eine alte Frau und muss mich erst einmal von den ganzen Strapazen diesen Jahres erholen. Dinge, die man mir so rein äußerlich vielleicht gar nicht auf den ersten Blick ansehen mag. Erst einmal möchte ich aber natürlich die letzten Bestrahlungseinheiten und die Nachsorgetermine erfolgreich überstehen und dann schauen wir einmal, mit welcher Rehabilitationsmaßnahme ich mich mit meinen Versicherungen einigen kann… 😉

Und ansonsten war der Oktober jetzt auch nicht wirklich „ereignisreich“. Wie auch wenn man jeden Tag mit Arztterminen zugepackt ist? Aber eine positive Neuigkeit darf ich dann doch mit euch teilen: Ich habe KEINEN Gebärmutterhalskrebs und keine Vorstufe von Gebärmutterhalskrebs. Nachdem nämlich meine Werte bei der Frauenärztin im September sehr kritisch waren, hegte man hier erst noch den Verdacht dass es auch hier einen Zusammenhang geben könnte und da sitzt man dann natürlich wieder einmal bibbernd beim Arzt seines Vertrauens. Allerdings gab es hier Entwarnung. Und genau das wünsche ich mir auch für all die anschließenden Nachsorgeuntersuchungen, welche dieses Jahr noch stattfinden!

Bis dahin aber also erst einmal Abwarten und Tee trinken…

 

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