Die finale OP und erneutes Gefühlschaos

Juli Review

Eine Review bei der ich mich schwer tue den Anfang und die richtigen Worte zu finden! Der Juli war der Horror! Ein Monat an dem ich an körperliche und emotionale Grenzen geraten bin und mich am Ende doch wieder aufgerafft habe.

Letzten Monat hatte ich es endlich geschafft: 6 Monate Chemo lagen hinter mir und die finale OP stand nun endlich an. Je näher der OP-Tag kam, desto aufgeregter wurde ich. Ich hatte mich so langsam an den Chemo-Alltag gewöhnt, so dass sich all die Strapazen rund um die Chemo nach einiger Zeit fast schon „normal“ anfühlten. Fühlten sich die ersten Chemo-Tage noch befremdlich an, ging ich zum Schluss immer lockerer zu meinen „Donnerstags-Terminen“ und kannte mittlerweile alle in der Praxis ganz gut und auch unter den Patienten grüßte man sich immer recht freundlich und plauschte miteinander. Doch so sehr das Chemo-Ende nahte, desto realer wurde das Ganze wieder. Ich hatte immer noch Krebs! Und wie ich bereits in meinem letzten Beitrag berichtete, machte mir diese Realität immer mehr zu schaffen. So freute ich mich einerseits auf die OP, weil ich hoffte dann endlich einen Schlussstrich machen zu können, hatte auf der anderen Seite aber wahnsinnige Angst und Respekt vor der OP. Doch gerade den Tag vor der OP hatte ich eigentlich kaum Zeit um mir über all die Dinge Gedanken zu machen. Bereits um 8 Uhr morgens ging es los zum Gespräch mit meinem behandelndem Arzt, der alles mit mir durchging und mit grünem Edding, die zu operierenden Stellen an meinem Körper markierte. Anschließend ging es noch einmal schnell zum Check-Up bei der Frauenärztin und dann direkt zum Krankenhaus zum Aufnahme-Gespräch, Narkose-Gespräch und auch der notwendige Kompressions-BH für nach der OP wurde noch schnell eingekauft. Gerade so noch pünktlich zum WM-Spiel Deutschland gegen Korea schafften wir es dann nach Hause. Ich war so k.o., dass ich direkt die 1. Halbzeit verschlafen hatte…

Am nächsten Tag musste ich bereits um 6.30 Uhr im Krankenhaus sein und wurde direkt vormittags operiert. Nach fast 3 Stunden OP wurde ich zurück in mein Zimmer gefahren, erklärte meinem Freund und meiner Mum noch leicht betüdelt, dass es mir gut ging und machte dann erst einmal ein Nickerchen. Noch am selben Tag erklärte mir der Arzt, dass alles reibungslos gelaufen ist und er nichts bedenkliches mehr entdecken konnte. Ich war erst einmal erleichtert. Was ich aber noch viel mehr war: Genervt! Ich lag blöd im Bett rum und konnte meine Arme auf Grund der zusätzlich entnommenen Lymphknoten nur noch eingeschränkt bewegen. Ein Glas an den Mund halten und eigenständig trinken? Nicht möglich! Alleine aufstehen? Nicht möglich! Alleine an- und ausziehen? Nicht möglich! Und selbst mein Handy war auf einmal nicht mehr richtig zu halten. Ich war wahrlich ein Pflegefall und die ersten Tage waren auf jeden Fall alles andere als schön. Man fühlt sich einfach so hilflos, wenn man seine Arme nicht richtig bzw. nur eingeschränkt bewegen kann. Probiert ihr euch mal bitte morgens aus dem Bett zu hieven ohne eure Arme als Unterstützung zu nehmen? Na, klappt das bei euch total easy? Ich vermute nicht! 😉

Von Tag zu Tag ging es mir jedoch besser, ich kriegte jeden Tag tollen Besuch, mein Freund oder meine beste Freundin brachten mir leckeres Essen vorbei um schnell wieder fit zu werden (das Krankenhaus-Essen war wirklich furchtbar!) und ich konnte mich von Tag zu Tag mehr bewegen. Das tat wirklich gut! Da die Wundheilung nur leider etwas länger dauerte als geplant und mir erst nach 6 Tagen alle Drainagen gezogen werden konnten, konnte ich das Krankenhaus erst dann verlassen. Noch am selben Tag erhielt ich das pathologische Ergebnis des Brustgewebes und der Lymphknoten und es zog mir den Boden unter den Füßen weg! Im MRT und auch während der OP konnte nichts mehr entdeckt werden, doch tatsächlich entdeckte der Pathologe noch weitere Tumorzellen im entnommenen Brustgewebe und weitere Metastasen in den Lymphknoten! Ich weiß nicht was schlimmer war. Diese Diagnose oder die Diagnose im November, dass ich Brustkrebs hatte?! Ich und vor allem auch die Ärzte hatten nicht damit gerechnet. Und so brach für mich erneut meine kleine heile Welt zusammen. Ich habe Krebs und ich habe nicht einfach nur Krebs, sondern metastasierten Brustkrebs! Mein Kopfkino ging auf und ab  Gefühle zwischen Angst, Wut und Verzweiflung machten sich breit! Wieso kann ich nicht einfach aus diesem Alptraum aufwachen? Wieso kann ich nicht einfach wieder in mein altes Leben zurück? Und womit hab ich all das verdient? Was will mir das Karma damit sagen? Hab ich in meinem Leben solch eine falsche Entscheidung getroffen, dass ich so bestraft werden muss?

Mein Körper brauchte Zeit und ich musste mich erst einmal sammeln. Leichter als gesagt… Noch am nächsten Abend fand ich mich in der zentralen Notaufnahme wieder. 38,5 Fieber! Mein Immunsystem war nur 3 Wochen nach der Chemo doch noch zu schwach und die schlechten Nachrichten am Vortag gaben ihm den Rest. Hinzu kam eine wenig rücksichtsvolle Zimmergenossin, die auf meinen immungeschwächten Körper nur wenig Rücksicht nehmen wollte und mich nachts gern einmal im Durchzug schlafen ließ und auch gern Besuch von ihrer gefühlt gesamten Familie in unserem Zimmer empfing (nächstes Mal verlange ich ein Einzel-Zimmer!). Aber okay, Entwarnung! Ich musste den Abend nicht erneut im Krankenhaus verbringen und wurde mit Antibiotikum nach Hause geschickt. Und auch die nächsten Tage beruhigte sich alles wieder einigermaßen. Die Gespräche mit den Ärzten ergaben, dass die Chemo vollkommen erfolgreich war, sich allerdings die bereits vor der Chemo vorhandenen Metastasen von meinem sehr stark ausgeprägten Hormonhaushalt ernähren und sich so über Wasser halten konnten. Und ein Glück war die Lösung hier relativ schnell parat: Anti-Hormon-Therapie um eventuell weiteren Tumorzellen die Nahrung zu nehmen, so wie Bestrahlung bei der die Krebszellen mithilfe ionisierender Strahlung zerstört werden.

Mit der Anti-Hormon-Therapie begann ich dann bereits eine Woche später. Mindestens 7 Jahre Anti-Hormone stehen nun vor mir. Eigentlich ähnlich wie die Einnahme der „Pille“, nur werden mir keine Hormone mehr zugefügt, sondern genommen, so dass ich mich jetzt bereits mit meinen jungen 30 Jahren in den Wechseljahren befinde. Hitzewallungen und Gefühlsschwankungen lassen grüßen! Und ich kann euch sagen, Hitzewallungen bei den aktuell über 30 Grad hier in Deutschland kann ich richtig empfehlen, NOT! Wenn ihr also aktuell noch „die Pille“ zu euch nehmt, denkt lieber 3x darüber nach ob ihr diese dringend benötigt und euch vielleicht nicht doch eine Alternative suchen wollt. Seinem Körper künstlich Hormone hinzuzufügen, kann einfach nicht gut sein. Das habe ich jetzt zumindest gelernt!

Mit der Anti-Hormon-Therapie und Bestrahlung hat sich das ganze nur leider noch nicht erledigt. Da ich noch einmal auf Nummer sicher gehen möchte, werde ich mich noch einmal operieren und Hautzellen entnehmen lassen um wirklich ganz sicher zu sein, dass keine Tumorzellen mehr in mir schlummern. Da mein zu behandelnder und operierender Arzt allerdings gerade im wohlverdienten Urlaub ist, muss ich mich hier aktuell noch ein paar Tage bis zum OP-Termin gedulden. Und da ich weiß, dass mir nun doch noch genügend bevorsteht, habe ich das einfach mal zum Anlass genommen mir selbst mal eine kleine Auszeit zu gönnen und selbst etwas Urlaub zu machen. Urlaub vom Krebs!

2 Kommentare zu „Die finale OP und erneutes Gefühlschaos

  1. Ich verstehe sie allzu gut, die Frage „Warum ich?“! Die hatte ich mir auch gestellt bei meiner Tumordiagnose. Bis dann die Biopsie gutartig ergab. Ich bin für mich zu der Erkenntnis gelangt, dass es uns nichts bringt, mit dem Schicksal zu hadern und es als Strafe zu empfinden. Es hat alles einen Sinn, EHFAR, wie es eine Bekannte von mir nennt, die ich sehr schätze. Doch wir haben niemals Schuld an etwas. Der Sinn zeigt sich meist erst viel später und wenn wir es als Challenge sehen, werden wir damit umgehen können, das ist meine Erkenntnis daraus. Ich stelle mir die Frage, ob ich Krebszellen, die jeder Organismus in unterschiedlicher Zahl und Ausprägung in sich trägt, als Feinde betrachte, die es auszurotten und zu töten gilt oder ob ich sie nach ihren Attacken wieder in ihre Schranken und Grenzen verweise und ohne Angst respektiere, dass Krebs immer Teil von mir ist, ich aber mit einem starken Mindset nicht Teil von ihm sein werde. Der Spruch, der Mensch ist, was er isst, zeigt seine Gültigkeit für mein Empfinden auch darin, dass man bewusst entscheiden kann, ob man Krebszellen „füttert“ oder nicht. Nur meine persönlichen Gedanken als kleinen Impuls dazu. Lass Dich nicht in Deinem Weg beirren, denn Du kennst ihn am Besten. Keiner hat das Recht, Dir ungefragt Ratschläge zu geben, Dich unerlaubt zu bemitleiden oder gar Dich auszugrenzen. Alles wird gut und ich glaube an dich. So schön, dass es Dich gibt und dass Du so vielen Menschen hier hilfst! Alles Gute weiterhin 💗 Roger

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  2. Hallo Karo, ich hatte letztes Jahr die Diagnose Brustkrebs (beidseitig). Mein Ratschlag für Dich: es bringt nix, sich zu fragen „warum ich“ / „was hab ich falsch gemacht“ u.ä. Selbst wenn es eine Antwort gäbe, würde sie nix nützen. Fakt ist: Du hast Krebs. Den gilt es zu bekämpfen. Sammel Deine Kraft um diesen Feind zu bekämpfen – und nicht Dich selbst mit Fragen, auf die es keine Antworten gibt. Fokussiere Dich – wichtig bist Du und dass Du gesund wirst – alles andere ist Nebensache. Sei freundlich zu Dir. Wünsche Dir alles Gute, LG aus Hamburg

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