Chemofinale & Gefühlschaos

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Juni Review

Juni ein Monat der Freude, ein Monat voller Stimmungsschwankungen und ein Monat an dem ich so langsam endgültig krebssatt bin.

Erst einmal war es mir aber wichtig durchaus positiv in diesen Monat, in dem sich doch so viel entscheiden sollte, zu starten. So habe ich mich gleich zu Beginn des Monats mit ein paar lieben Blogger Kolleginnen getroffen, mir ein entspanntes Hotel-Wochenende mit meinem Freund gegönnt und konnte sogar bis Ende des Monats noch das ein oder andere Blogger Event mitnehmen. Hätte mir das jemand noch vor ein paar Monaten erzählt, hätte ich das gegen Chemoende wohl kaum für möglich gehalten. Da kann ich echt stolz auf meinen Körper sein und wie er das so alles wuppt. Aber gerade diese kleinen Treffen und Events waren jedes mal ein neues Highlight und eine klitzekleine Flucht aus der Realität für mich und damit wohl auch die beste Ablenkung, die es hätte geben können. Mittlerweile kann ich meinen Körper ein Glück auch immer besser einschätzen und weiß genau wo die Grenzen sind. Genau dies führte aber auch dazu, dass ich einige Events und Verabredungen spontan absagen musste. Mein Körper machte mir dann doch ab und an bewusst, dass er gerade 16 Chemositzungen innerhalb 6 Monate hinter sich hatte. So gab es auch Tage, da kam ich gar nicht von der Couch hoch und der Körper verlangte mir sehr viel Schlaf ab.

Glücklicherweise scheine ich aber alles genau richtig gehandhabt zu haben. Die Blutwerte stimmten zu den letzten beiden Chemositzungen und wir konnten die Chemo pünktlich am 14.06. beenden. Doch nun bleibt die Frage ob wir sie wirklich erfolgreich beenden konnten? So gern ich das Chemoende ordentlich und gebührend gefeiert hätte, ich konnte es nicht. Denn was ausblieb war das MRT, welches aufzeigen sollte ob die Chemo überhaupt gewirkt hatte. Ich hatte 6 Monate lang dieses „Gift“ in meinen Körper bekommen, hatte aber absolut keinen blassen Schimmer ob das ganze denn überhaupt angeschlagen hatte. All die bösen Gedanken, welche ich die letzten Monate doch so gut verdrängen konnte, kamen hoch. Was ist wenn die Chemo nicht gewirkt hat? Was ist wenn es sich nicht nur um eine kleine Mikrometastase handelt, sondern nun um ganz viele kleine Metastasen? Körperlich und nervlich kam ich an neue Grenzen! Ein dunkler Leberfleck am Arm war für mich plötzlich Hautkrebs, ein kleiner Pickel auf dem Kopf war für mich plötzlich ein Hirntumor und auch an meiner Brust entdeckte ich einen neuen Tumor, der sich später als Muskel enttarnte. Das Kopfkino war groß und ich einfach mega angespannt…

Auf dem falschen Fuß durfte man mich die letzten Wochen deshalb nicht erwischen. Fragen wie „Wie geht es dir?“ nahm ich auf einmal persönlich. Wie sollte es mir auch schon gehen? Währenddessen alle um mich herum glücklich sind, in den Sommerurlaub fahren, heiraten, Kinder kriegen, Häuser bauen usw., sitze ich hier in meinem Bett und kämpfe einfach nur darum zu überleben und den Krebs zu besiegen! Das hört sich vielleicht hart an, aber genau so ist es doch am Ende! Mittlerweile bin ich einfach mega abgestumpft und kann dieses „Krebsgesicht“ morgens im Spiegel echt nicht mehr sehen! Bisher probiere ich jedoch meine Gefühle im Zaum zu halten. Ab und an holen sie einen aber dann doch ein. So langsam bin ich einfach nur krebssatt!

Um so glücklicher war ich als es endlich zum MRT ging und mir der Arzt mitteilte, dass er nichts bedenkliches sehen konnte. Puh! Die erste Erleichterung! Nachdem ich 45 Minuten in dieser „Röhre“ steckte und mich schon wieder verrückt machte, wieso das alles so lange ging, war das endlich mal erleichternd! Und das nicht nur für mich. Auch meinem Freund der aufgeregt im Wartezimmer saß, war die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. Wir grinsten uns erst einmal an und konnten endlich mal wieder in Ruhe aufatmen. Denn nicht nur ich musste die letzten Monate kämpfen und auf wahnsinnig viele Dinge verzichten, auch mein Freund musste in den letzten Monaten tapfer sein, ordentlich einstecken und mir regelmäßig Mut zusprechen.

Natürlich war uns aber auch bewusst, dass das MRT allein nicht aussagekräftig genug ist. Ein endgültiges Ergebnis gibt es erst in der finalen OP, bei der das pathologische Ergebnis noch einmal entscheidend ist. Die OP, die genau morgen am 28.06. stattfindet und die mich gerade echt schon wieder nervös werden lässt, denn es handelt sich nicht um irgendeine OP und nicht um irgendeinen kleinen Eingriff. Auf Grund meines Gendefekts (BRCA 1) und des erhöhten Rückfallrisikos habe ich mich für eine beidseitige Mastektomie mit anschließendem Wiederaufbau entschieden und auch die obersten Lymphknoten im Achselbereich werden entfernt. Eine OP, die mehrere Stunden dauert und garantiert nicht ohne sein wird und mich die nächsten Monate gewiss beeinträchtigen wird. Eine OP, vor der ich jetzt schon wahnsinnigen Respekt habe, aber die auf jeden Fall die richtige und sicherste Entscheidung ist! Aber ich bin schon jetzt so stolz auf mich und was mein Körper bisher geschafft hat, so dass ich hoffentlich auch diesen Eingriff morgen erfolgreich meistern werde…

 

6 Kommentare zu „Chemofinale & Gefühlschaos

  1. Ich weiß leider genau wie du dich fühlst! Man beneidet die Leute die mit den einfachen Dingen im Leben zu tun haben .. aber das wird bei uns sicher auch bald wieder so sein 💪🏻
    Ich fiebere dem 17. Juli entgegen, der letzte Tag meiner Radio-Chemo. Ich wünsche dir viel viel Kraft und ein positives Ergebnis nach der OP! 🍀
    Ich konnte dich ein bisschen während deiner Geschichte begleiten und wollte nur mal Danke sagen, dass du das alles mit uns teilst. Das hat mir Stärke zurück gegeben.
    🍀🦁💪🏻

    Ganz liebe Grüße aus Ulm
    (In Hamburg Altona war mein leitender Arzt und war immer zu Ops und zwei Chemotherapien da😄⚓️)

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  2. Hallo,

    aber wollte auch jetzt, was schreiben und zwar, wieso sagst du „Gift“? Meinst du damit die Chemotherapie? ich denke schon, vielleicht hab ich nur falsch verstanden. Aber falls es so sein sollte, dann ist es aber komisch. Wieso sagt man das?

    Kann es sein, dass in Wirklichkeit bzw. unbewusst dein Körper es überhaupt nicht mag und es konnte dir nicht so richtig mitteilen und deshalb schrieb man unbewusst, dass es „Gift“ ist. Ein Zeichen oder Ziel, dass dein Körper es anders sieht und dieses Gift nicht mag.

    es sieht eher danach aus, dass du selber deinen eigenen Weg gefunden und es selber gelöst hast. Alles andere war nur heiße Luft und das wollte dein körper mitteilen um nicht zu sterben.

    Gefällt mir

  3. Oh man, Hut ab Du starke Frau, Ich bin op Schwester und sehe oft mastektomien ..umso schöner ist es zu sehen was für schöne Ergebnisse bei einem Brustaufbau zu sehen sind.
    Ich wünsche Dir alles Liebe und Gute und dass es Dir bald wieder richtig gut geht!

    Gefällt 1 Person

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