Diagnose Brustkrebs: Do’s und Don’ts für Angehörige

Die Diagnose Krebs ist nicht nur für einen selbst, sondern auch für die engeren Angehörigen nicht einfach. Man möchte oft helfen, weiß aber nicht wie. Wie verhalte ich mich wenn meine Freundin, Tochter, Mutter etc. auf einmal Krebs hat? Wie kann ich ihr helfen? Eine pauschale Antwort kann ich hier nicht geben! Jeder macht das am Ende individuell mit sich aus. Allerdings möchte ich hier einen kleinen Einblick und ein paar Tipps loswerden, welche eventuell hilfreich mit dem Umgang der Diagnose sind.

Gerade in der Zeit der Diagnose fühlt man sich nämlich verloren. Hilflos. Allein. Und da freut man sich über jegliche Unterstützung und Ablenkung. Doch auch während der ganzen Behandlung und auch am Ende der Behandlung braucht man diese Unterstützung. Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass es nach ein paar Monaten einfach „normal“ war, dass ich Krebs hatte. Freundin A kriegt gerade ein Kind, Freundin B heiratet, Freundin C baut sich gerade ein Haus und ja was ist mit Caro? Ach, die hat gerade Krebs. Das hört sich vielleicht ein wenig übertrieben an, aber genau so fühlt es sich manchmal an. Aber es ist alles andere als normal. Es ist schwierig mit der Situation umzugehen, seine Kräfte zu sammeln und dann zu sehen wie das „normale Leben“ einfach rund um einen erfolgreich weitergeht, währenddessen man kämpft kämpft um sein Leben! Doch genau deshalb sind Freunde und Familie einfach das wichtigste in dieser ach so schweren Zeit. Man braucht Lichtblicke, positive Momente und einfach ein bisschen „Alltag“ und man möchte nicht das Gefühl haben in Vergessenheit zu geraten. Meldet euch also bei eurer Freundin. Fragt ihr wie es ihr wirklich geht. Sprecht das Thema offen an. Traut euch und seid für eure Freundin da! Helft ihr beim Einkaufen, schaut mit ihr einen netten Film, fahrt mit ihr zu den Arztterminen, passt auf die Kinder auf usw. Gebt ihr einfach das Gefühl, dass sie nicht allein ist und nicht allein durch diesen Kampf muss, denn nur gemeinsam sind wir wirklich stark!

Da aber oftmals auch Freunde und Angehörige sehr hilflos sind und nicht wissen wie sie helfen können, habe ich mich einmal rumgehorcht und eine Do’s und Don’t-Liste für euch erstellt, denn man kann da wirklich in einige Fettnäpfchen treten.

Was hilft:

  1. Darüber reden/ Direkte und offene Kommunikation. Sprecht offen über das Thema. Stellt all eure Fragen, die euch im Kopf umherschwirren. Nicht nur für euch ist das Thema „Neuland“. Und reden hilft bekanntlich immer sehr gut!
  2. Zuhören! (ergibt sich aus Punkt 1)
  3. Erfolgsgeschichten von anderen
  4. Mit Leidensgenossinnen in Kontakt zu treten (z.B. über Instagram 😉 )
  5. Liebevolle und verständnisvolle Freunde und Familie
  6. Lachen
  7. „Normaler“ Umgang und „Normale“ Gespräche und nicht nur über die Krankheit. Es hilft ungemein auch über die Probleme und Sorgen der anderen zu sprechen.
  8. Alltägliche Dinge machen
  9. Am richtigen Leben teilhaben/ von Freunden integriert werden z.B. Unternehmungen wie Spaziergänge an der frischen Luft. Nehme aber auch Rücksicht darauf, dass einige „normale“ Aktivitäten nicht mehr möglich sind. Deine Freundin hat ein sehr schwaches Immunsystem und muss öffentliche Plätze deshalb eher meiden. Also ist der nächste Kinobesuch, das Treffen auf dem Weihnachtsmarkt etc. vielleicht nicht die beste Idee. Kommt eurer Freundin stattdessen doch entgegen und plant einen Mädels- oder Filmeabend bei ihr zu Hause.
  10. Bietet eurer Freundin aktiv Hilfe an (z.B. Kochen, zur Chemo/Bestrahlung fahren, Gesellschaft leisten, im Haushalt unterstützen, Einkaufen, auf das Kind/die Kinder aufpassen etc.)! Man ist wirklich über jegliche Hilfe dankbar.

Geht in jedem Fall aktiv auf eure Freundin zu. Sie freut sich über jeden Kontakt, möchte aber natürlich anderen mit ihren Sorgen und Ängsten nicht zur Last fallen. Man hat Angst, dass die Freunde mit der Situation vielleicht nicht umgehen oder überfordert sind. Gebt eurer Freundin also das Gefühl, dass ihr für sie da seid. Ruft einfach mal spontan an oder besucht sie spontan. Wenn es ihr gerade nicht passt, dann wird sie es euch offen sagen. Und sagt nicht einfach spontan bei eurer Freundin ab und habt eine billige Ausrede parat. Es macht einen großen Unterschied vorzugeben für einen da zu sein und wirklich für einen da zu sein! Habt auf der anderen Seite aber Verständnis dafür, wenn eure Freundin euch vielleicht spontan absagen muss. Krebs macht müde, sehr müde! Und kostet manchmal wirklich viel Kraft. Und vielleicht ist eure Freundin auch nicht mehr so aufmerksam wie früher. Die Chemotherapie und andere Medikamente setzen einem kognitiv sehr zu und führen dazu, dass man lang nicht mehr so aufmerksam und aufnahmefähig ist wie früher. Aber das wird ja hoffentlich wieder besser…

Was nicht hilft:

  1. Tipps von Personen, die NICHT in der selben Situation waren (meine Tante, meine Freundin, meine Mutter hatte auch….). Wirklich hilfreiche Tipps können meist nur die geben, die auch wirklich in der selben Situation waren.
  2. Gute Tipps/„Wundermittel“ die gegen Krebs helfen sollen.
  3. Kommentare wie Krebs ist ja mittlerweile gut heilbar.  Über 17.850 Frauen sterben jährlich beispielsweise immer noch an Brustkrebs! Spricht irgendwie dagegen, oder?
  4. Ignoranz und Totschweigen des Themas. Viele können mit der Situation nicht umgehen und sind überfordert. Aber wie bereits oben schon geschrieben, straft eure Freundin nicht zusätzlich mit Ignoranz und geht auf sie ein. Sprecht offen über das Thema. Sie wird froh sein, wenn sie darüber reden kann und ihre Ängste offen aussprechen kann.
  5. Im Nachgang Fragen wie „Aber jetzt ist alles wieder gut?“ / „Bist du wieder gesund?“ Es ist nie wieder alles wie es einmal war. Die Angst sitzt ständig im Nacken und gerade in den ersten 5 Jahren nach Erstdiagnose hat man ein erhöhtes Rückfallrisiko. Und glaubt mir, keiner möchte das gern noch einmal durchmachen.
  6. Die Frage „Wie geht es dir?“ habe ich immer sehr gehasst. Ja wie schon? Besser: „Wie geht es dir wirklich?“
  7. Fragen wie „Warum arbeitest du nicht?“. Eine Krebstherapie ist kein Zuckerschlecken und all seine Kraft wird benötigt. Ich hab es auch probiert während der Chemozeit zu arbeiten und bin erfolgreich daran gescheitert. In dieser Zeit ist es vor allem wichtig mit seinen Kräften zu haushalten.
  8. Fragen wie „Was machst du denn den ganzen Tag? Wie nutzt du die ganze Freizeit?“ Zum einen braucht der Körper sehr viel Ruhe und sehr viel Schlaf und auf der anderen Seite gibt es wirklich viel zu tun… Papierkram für die Versicherungen und Ärzte, Arzttermine und volle Wartezimmer etc.
  9. Krebspakete! Hier zweiteilen sich die Meinungen vielleicht. Viele freuen sich sicher über Pakete von den Liebsten, die in der schweren Zeit an sie denken. Mich haben all diese „Krebspakete“ immer an die Krankheit erinnert. Ich habe sie auch gern liebevoll „Mitleidspakete“ genannt. Man hört auf einmal von Personen von denen man jahrelang nichts gehört hat. Das ist einerseits schön, aber unter diesem Aspekt eine Freundschaft wieder aufzubauen ist absolut das Falsche.

Top 10 der Sprüche, die man definitiv nicht hören möchte:

  1. „Das schaffst du schon.“ oder „Das wird schon wieder.“
  2. „Wie toll du abgenommen hast.“
  3. „Ich kenne da auch wen der Krebs hatte…“
  4. „Oh du tust mir so Leid.“
  5. „Die Glatze steht dir aber gut.“
  6. „Haare wachsen doch wieder.“
  7. „Du siehst gar nicht krank aus.“
  8. „Alles wird gut.“
  9. „Ich kann mir genau vorstellen wie du dich fühlst…“
  10. „Die Zeit geht schnell um.“

Und last not but least:

Nur weil jemand gut geschminkt, gestylt ist, eine Perücke trägt und ein Lächeln auf den Lippen hat, heißt das nicht, dass es ihm gut geht. Das zeigt, lediglich, dass die Person versuchte ein normales Leben zu führen und nicht jeder ihr die Erkrankung ansehen soll. Ich habe es geliebt mich zu schminken und aufzustylen. Es hat mir geholfen die Krankheit zu vergessen und ich wollte nicht offensichtlich die „kranke“ Caro sein, nicht die, die ich jeden morgen im Spiegel sehen musste…

Habt ihr noch weitere Tipps und Tricks/ Do’s and Don’ts? Dann verratet mir sie unter den Kommentaren.

In diesem Sinne passt auf euch auf und alles Liebe

caro_signatur

PS: Und wie wie viele Bullshit Bingo Treffer habt ihr schon? 😉

bullshit_bingo_krebs

 

 

9 Kommentare zu „Diagnose Brustkrebs: Do’s und Don’ts für Angehörige

  1. Liebe Caro,

    du hast das suupppper beschrieben, ich finde es toll das du dieses nicht einfache Thema aufgreifst und aus deiner Sicht beschreibst, das ist für andere in dieser Situation sehr hilfreich.
    Schön dass du eine Familie hast die dich in dieser Situation unterstützen kann, denn das ist auch nicht selbstverständlich.

    Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft und drück dich ganz fest.

    P,S. ich folge dir noch nicht so lange finde deine Bilder, Stories und Blog-Beiträge richtig toll.

    Ingrid 🙂

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo,
    super geschrieben und kann dir nur zustimmen!
    Finde es mega toll, dass du über Krebs schreibst, es ist so ein sensibles und schwieriges Thema – du bringst es genau auf den Punkt!
    Alles Liebe, Lisa.

    Gefällt 1 Person

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