Die Bestrahlung, der Dreamball und Kirschblütenbäume

September Review

Nachdem ich im September ausreichend Zeit hatte mich von all den Operationen (innerhalb von nicht mal einem Jahr 4 OPs und 7 Eingriffe! Schon krass!) und Strapazen zu erholen, sollte es im September wieder ernst werden. Nun sollte auch den noch letzten möglichen Krebszellen der Garaus gemacht werden. Genau dafür hatte ich Anfang September einen Termin beim Strahlungstherapeuten meines Vertrauens. Vertrauens vor allem deshalb, weil ich auf eine sehr individuelle Lösung der Bestrahlung gehofft habe. Da auf Grund meiner beidseitigen Mastektomie keine Bestrahlung mehr notwendig gewesen wäre (wo kein Gewebe mehr ist, kann auch kein Krebs mehr sein 😉 ), haben wir bereits die Implantate eingesetzt. Da nach der OP aber noch Metastasen gefunden worden sind, welche sich in den Lymphknoten versteckt hatten, ist eine Bestrahlung nun unausweichlich. Nur leider verstehen sich Implantate und die Bestrahlung nicht so gut. Bestrahlt man die Implantate direkt hat man ein erhöhtes Risiko eine Kapselfibrose zu erhalten. Bei einer Kapselfibrose handelt es sich um eine dünne Bindegewebsschicht, die sich um ein Implantat herum bildet und das Implantat sozusagen vom Rest des Körpers „abkapseln“ möchte. So kann sich eine dicke und feste Schicht um das Implantat bilden und das Implantat muss wieder herausgenommen werden. Ja okay werdet ihr sagen, dann nimmt man das Implantat einfach heraus und packt wieder ein neues rein. Aber nein nein, so einfach ist das nicht! Zum einen ist es noch einmal ein weiterer Eingriff, zum anderen ist in meinem Fall nicht garantiert, dass ein erneutes Implantat eingesetzt werden kann, weil meine Haut einfach sehr dünn im Brustbereich ist. War dies vor genau einem Jahr noch von Vorteil, da ich den kleinen Tumor damals so relativ einfach ertasten konnte, so wird mir das nun vielleicht zum Verhängnis 😦

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe natürlich wenig Lust eine Kapselfibrose zu erhalten! Und da mein Tumor glücklicherweise oberhalb der Brust saß, haben wir uns dazu entschieden „nur“ den oberen Bereich der Brust und natürlich die Lymphbahnen in den Achseln zu bestrahlen und nicht die komplette Brust. Eine wirklich sinnvolle Lösung, mit der ich das Risiko einer Kapselfibrose um einiges reduzieren kann. Schließlich habe ich immer noch Angst meine komplette Brust, meine Weiblichkeit zu verlieren! Und diese Angst wird wohl bis nach der Bestrahlung bleiben…

Mitte September hatte ich dann auch bereits mein Planungs-CT. Beim Planungs-CT für die Bestrahlung handelt es sich um eine Computertomographie, die ganz exakt und individuell die wirksamste, aber gleichzeitig auch schonendste Bestrahlung errechnet. Auf Grundlage dieses CTs wird die Bestrahlung und das Bestrahlungsfeld definiert und so habe ich bereits an diesem Tag meine ersten Markierungen für das genaue Bestrahlungsfeld auf meinem Körper gemalt bekommen. Und das genau wenige Tage vor dem Dreamball auf welchen ich mich bereits so gefreut hatte. Um jedoch problemlos am Dreamball der DKMS Life teilzunehmen, konnte ich mich mit den Bestrahlungstherapeuten sogar darauf einigen, dass wir noch 2 weitere Tage warten und erst dann mit der offiziellen Bestrahlung beginnen. Wie der Dreamball so war und ob man meine Bestrahlungsmarkierungen unter dem Kleid hervorblitzen sah, dass erzähle ich euch demnächst in meinem separaten Dreamball-Bericht 😉 Eins kann ich euch aber sagen: Es war mega emotional und unvergesslich und einfach der perfekte Ausflug raus aus dieser doofen Krebs-Realität!

Nach dem Dreamball kam ich dann aber wieder relativ schnell zurück in die „Krebs-„Realität. Nachdem mich die Osteopathin so langsam wieder fit bekommen hatte und die Beweglichkeit meiner Arme nach der OP peu a peu besser würde, ging es wieder weiter. Am darauffolgenden Montag ging es direkt weiter zu meiner Onkologin für meine monatliche Anti-Hormon-Dosis, der Zoladex-Spritze (hammermäßiges Teil, gern mal googeln wenn ihr wissen wollt wie das Teil so ausschaut 😉 ), dann zur allerersten Bestrahlung und als ich dann nachmittags vollkommen k.o. war, kam der Anruf meiner Frauenärztin, dass meine Zellen rund um den Gebärmutterhals doch sehr verdächtig ausschauen und es sich um eine Vorstufe von Gebärmutterhalskrebs handeln könnte… Na halleluja! So sehr man also auch immer wieder versucht wieder in das „normale“ Leben und den „normalen“ Alltag hinein zu tauchen, dieser doofe Krebs holt einen doch irgendwie immer wieder ein. Das muss doch nicht sein und nervt gewaltig! Aber wisst ihr was? So langsam werde ich immer fitter und fitter und die Chemo driftet so langsam wieder aus meinem Körper (Basische Ernährung sei dank?). Irgendwie werde ich so langsam wieder die Alte! Mein Kortisongesicht ist wieder weg und ich habe mein „altes“ Gesicht wieder. Die kurzen Haare gefallen mir so langsam richtig gut und ich war so wagemutig und habe mich auch wieder im Fitnessstudio angemeldet, weil ich hochmotivert bin. Nur nun muss ich wieder ein wenig zurückschrauben und mich auf die Bestrahlung konzentrieren. Der hoffentlich letzte Step und Ende des Jahres hoffentlich endlich wieder zurück in die gute heile Realität. Ich bitte drum! 2019, das habe ich mir auf jeden Fall ganz fest vorgenommen, soll MEIN Jahr werden 🙂

Und für alle die sich fragen, was genau hat das alles jetzt mit Kirschblütenbäumen zu tun? Die Kirschblütenbäume schaue ich mir seit neustem jeden Tag an. Denn genau diese Collage befindet sich an der Decke des Bestrahlunsgsraums. Und so mache ich jeden Tag das Beste draus und träume so vor mir hin und träume von einem unbeschwerten Frühling mit ganz vielen Kirschblütenbaumen in 2019 🙂

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