Wie schaut so eine Anti-Hormontherapie eigentlich aus?
Tägliche Tabletteneinnahme – Das Tamoxifen
In meinem Fall wurde der Krebs in seiner Entstehung und seinem Wachstum durch die Hormone in meinem Körper gefördert. Das Hormon Östrogen heftet sich dabei an spezielle Hormon-Rezeptoren an den Krebszellen und regt sie so zum Wachstum an. Um dies nun zu verhindern muss ich für mindestens 5 Jahre täglich Anti-Hormone in Form von Tamoxifen-Tabletten einnehmen. Diese Anti-Hormone verhindern bzw. blockieren die Bildung oder Wirkung von Östrogenen in meinem Körper und sorgen so dafür dass ggf. noch vorhandene Resttumorzellen nicht mehr überleben, aber auch keine neuen mehr entstehen können. Die Östrogenrezeptoren werden ganz einfach durch das Tamoxifen blockiert.
Diese sogenannte endokrine Therapie wird bei allen Hormonrezeptor-positiven Mammakarzinomen empfohlen d.h. wenn der Östrogen-Rezeptor-positiv (ER+) oder der Progesteron-Rezeptor-positiv (PR+) ist. In meinem Fall waren beide zum Beispiel sehr stark ausgeprägt (Östrogen z.B. 100%) und somit eine Anti-Hormon-Therapie unumgänglich. Mit der Anti-Hormon-Therapie habe ich direkt 1 Monat nach Chemoende und damit wenige Wochen nach meiner OP angefangen.
Zusätzlich zu Tamoxifen versuche ich zudem auch durch die Ernährung und die Auswahl der richtigen Pflegeprodukte meine Östrogenzufuhr zu verringern, denn was viele vergessen ist, dass wir auch über die Ernährung und über die Haut Hormone wie Östrogen zu uns nehmen können. Für den einen kann dies von Vorteil sein (z.B. bei Östrogenmangel beispielsweise nach den Wechseljahren oder bei Hashimoto), in meinem Fall eben ein erheblicher Nachteil. Euren Hormonhaushalt könnt ihr im übrigen bei eurer Gynäkologen im Rahmen eines Speichel- oder Bluttests machen lassen. Dann habt auch ihr im Blick ob euer Hormonhaushalt im Lot ist.
Die monatliche Spritze – das sogenannte GnRH-Analoga
Aber es wäre ja langweilig, wenn es nur bei der täglichen Einnahme von Tabletten bleiben würde. Einen Monat später habe ich zusätzlich zum Tamoxifen das GnRH-Analoga Zoladex zur Aufrechterhaltung der Eierstockfunktion bekommen, denn gerade bei uns jungen Frauen, die sich noch vor den Wechseljahren befanden, können die Chemo und die Anti-Hormon-Therapie den Eierstöcken schädigen und dafür sorgen, dass wir unfruchtbar. Deshalb kriegen dieses viele beispielsweise auch nur im Rahmen der Chemotherapie. Das Gute aber im Rahmen der Anti-Hormontherapie: Das GnRH-Analoga hemmt die Hormonproduktion der Eierstöcke zusätzlich. Bei Frauen nach den Wechseljahren hingegen ist dies meist nicht mehr notwendig und es kommen tendenziell eher die sogenannten Aromatasehemmer zum Einsatz, da auch Frauen nach den Wechseljahren immer noch geringfügig Östrogen produzieren können.
Das GnRH-Analoga wird nicht in Tablettenform, sondern monatlich unter die Haut gespritzt. Und diese sogenannte Zoladex-Spritze ist echt nicht ohne. Ich muss mir zum Beispiel vorher immer noch ein betäubendes EMLA-Pflaster auf die jeweilige Stelle kleben damit das ganze ein wenig schmerzfrei ist. Diese Spritze kommt aber meist „nur“ für 2 Jahre zum Einsatz und wird dann wieder abgesetzt. Durch den Stopp der Östrogenproduktion in den Eierstöcken wird allerdings auch eine künstliche Menopause hervorgerufen.
Die Nebenwirkungen
Und genau damit kommen wir auch zu den ganzen Nebenwirkungen dieser Therapie, denn auch wenn die Wirkungsweise dieser Therapie echt phänomenal ist, sind die Nebenwirkungen der Anti-Hormon-Therapie hingegen nicht ganz ohne. Mit der Einnahme des Tamoxifens und GnRH-Analoga befindet man sich nämlich plötzlich mitten in den Wechseljahren. Die einen mögen es vielleicht als ganz praktisch empfinden nicht mehr monatlich eine Regelblutung zu erhalten. Aber wenn das mal wenigstens alles wäre… Gerade zu Beginn hatte ich so zum Beispiel vermehrt mit Hitzewallungen, Schweißausbrüchen, Schlafproblemen und etwas stärkeren Gefühlsschwankungen zu tun. Ich war eigentlich nie ein Mensch der nahe am Wasser gebaut ist, die ersten Monate unter Tamoxifen und Zoladex sind aber so einige Tränen geflossen. Manchmal sogar ganz grundlos. So war ich zum einen etwas launisch (Danke Georg, dass du das problemlos mitgemacht hast 😉 ), habe aber bei den emotionalsten Serien und selbst sogar bei der Serie Suits angefangen zu heulen, weil mich etwas so gerührt hatte und ich das emotional nicht händeln konnte. Da fragt man sich des Öfteren warum die Mütter in den Wechseljahren auf einmal so launisch sein müssen und warum sie sich nicht einfach mal zusammenreißen können und zack jetzt verstehe ich das ganze auf einmal. Naja wer hätte auch schon gedacht, dass sich die 30jährige Tochter einmal mit ihrer Mutter über die Wechseljahre austauschen würde?
Um euch aber nun zu beruhigen. Die Nebenwirkungen waren bei mir nur in den ersten 2 Monaten verstärkt und haben jetzt mit der Zeit wieder nachgelassen. Meine Gefühle habe ich mittlerweile ein Glück wieder unter Kontrolle, die Hitzewallungen und Schweißausbrüche habe ich nur noch selten und die leichten Schlafprobleme probiere ich durch Lavendelbäder oder Lavendeldüfte einigermaßen in Griff zu bekommen.
Von vielen habe ich zudem gehört, dass sie unter Tamoxifen sehr stark zugenommen haben oder starke Hautprobleme bekommen haben. Mittlerweile nehme ich das Tamoxifen seit über 7 Monaten ein und habe hiervon bei mir nicht viel bemerkt. Dies ist aber vielleicht auch auf meine gute Ernährung, viel Bewegung so wie die richtigen Naturkosmetikprodukte zurückzuführen 😉
Womit ich allerdings mittlerweile zu tun habe sind leichte Gelenk- so wie Knieschmerzen. Deshalb probiere ich hier in meiner Ernährung auf einen erhöhten Eiweiß- und Calciumbedarf zu achten und aktuell bin ich hier auch in orthopädischer Behandlung um hier rechtzeitig entgegen zu wirken. Zudem lasse ich einmal jährlich meine Knochendichte überprüfen, da sich unter Tamoxifen + Zoladex auch die Knochendichte verringern kann und das Osteoporose-Risiko erhöht ist und das deshalb beobachtet werden sollte.
Den ersten Teil dieser Reihe „Hormone Teil 1: Die Pille– Segen oder Fluch?“ findet ihr im übrigen hier 😉

